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Artikel der Landesvorsitzenden für “Frauenimpulse”-Information des Landesfrauenrates Niedersachsen

28.03.2008

Liebe Frauen,

fangen wir immer wieder von vorne an mit der Frauenpolitik? Kommen wir denn niemals so richtig voran? Fallen wir womöglich hinter unsere schwer erkämpften Erfolge wieder zurück? In zaghaften Momenten stellt sich manch eine von uns, die schon lange dabei ist, solche Fragen.

Als zwei meiner drei Kinder in die Grundschule gingen, weigerten sich Schule und Lehrer, die Kinder länger als zwei Schulstunden lang zu betreuen. Viele Männer legten Wert darauf, dass ihre Frauen kein Geld verdienen müssten. Eine Halbtagsstelle als Lehrerin galt als Highlight weiblicher Berufstätigkeit. Damals gab es die erste weibliche Ministerin in Niedersachsen – Frau Breuel, die nach einer langen Familienphase Finanzministerin wurde. Sie erzählte einmal, dass sie ihre Rechengeschwindigkeit in der Zwischenzeit unter anderem mit der Addition einzelner Posten auf Kassenzetteln geübt hätte.

Seitdem hat sich viel verändert. Alphamädchen bevölkern inzwischen alle Magazine. Keine Zeitung, die nicht – prominent platziert – die Lohnunterschiede von Männer und Frauen thematisiert. Häusliche Gewalt wird endlich gesetzlich wirksam verfolgt – leider aber noch nicht die Freier, die sich Zwangsprostituierte auf das Zimmer bestellen oder Eltern, die ihre Töchter in unerwünschte Ehen zwingen. Um dieses Verhalten auch strafrechtlich zu stigmatisieren, ist ein noch stärkerer politischer Zusammenhalt von Frauen erforderlich.

Ein wichtiges Kernthema für die Frauen Union sind die Chancen von Frauen in Beruf und Politik. Die Frage: „Müssen Frauen besser sein als Männer, um Erfolg zu haben?“ gehört zum alten Eisen. Frauen sind – zumindest im Durchschnitt – besser, wie alle Zahlen zeigen. Sie können höhere Bildungsabschlüsse vorweisen undsie schneiden im Ergebnis besser ab.

Im wachsenden Bewusstsein des demographischen Wandels verstärkt sich die Nachfrage nach qualifizierten Frauen. Die gläserne Decke, die Frauen noch von den hohen Funktionen trennt, hebt sich Zentimeter um Zentimeter.

Es kommt jetzt darauf an, dass Frauen entstehende Freiräume nutzen und verantwortungsvolle Tätigkeiten für sich reklamieren. Dabei spielt das Berufswahlverhalten und die Nachfrage nach modern konzipierten Berufsbildern, die Technik und Wirtschaft um kommunikative und sprachliche Fähigkeiten ergänzen, eine wichtige Rolle. Wer die kleine Tochter frühzeitig für Naturwissenschaften begeistert, wird ihre Berufsperspektiven deutlich verbessern.

Frauen, die jetzt in der Kommunalpolitik durchstarten, werden sich schnell für weitere Ämter empfehlen können. Das mag ein mühsamer Weg durch ungewohntes Terrain sein, der aber mit großem Selbstbewusstsein bewältigt werden muß. Der Anteil von Frauen in der Kommunalpolitik ist beschämend gering und umso mühsamer ist es für die aktiven Frauen, dort ihre Vorstellungen durchzusetzen und die Entscheidungsabläufe zu gendern.

Deshalb sind Netzwerke, Mentoring und jede erdenkliche Art von Ermutigung von unschätzbarem Wert. Wir brauchen mehr Frauen an der Basis, um mehr Spitzenfrauen zu bekommen.

Mit dem Elterngeld und neuen Kinderbetreuungsangeboten hat die Politik einen großen Schritt voran getan. Nun kommt es darauf an, dass Frauen ihre Lebenswünsche – selber und gegenseitig – wertschätzen und strategisch durchsetzen. Betriebe müssen „Diversity“ leben anstatt Stromlinienförmigkeit zu verlangen. Das sollte konkret von den Beschäftigten gemeinsam eingefordertwerden. Wenn junge Väter sich heute – politisch unterstützt – zunehmend der Familienarbeit zuwenden, werden sie die Mitstreiter von morgen.

Die Frauen Union setzt sich aktiv für alle diese frauenpolitischen Themen ein. Aktuelle Schwerpunkte sind:

– Entgeltungleichheit und Karrierechancen; gerechte Eingruppierung der Arbeit von Frauen; Transparenz, um gerechte Löhne und Gehälter aushandeln zu können; Finanzierung von Fort- und Weiterbildung in Familienzeiten und zum Wiedereinstieg; Motivation für naturwissenschaftliche Berufe und Professorinnenprogramm.

– Hebammenprojekt; Frühförderung; Kitas und Tagesmütter; Finanzierung von Haushaltskräften; optimale Schulbildung; Medienkompetenz und die Anerkennung von Familienarbeit.

– Gewaltschutz und soziale Sicherung von Frauen bei Krankheit, Pflege und Arbeitslosigkeit.

– Stärkung von Frauen in der Politik durch aktive, übergreifende Netzwerke, durch innerparteiliche Arbeitskreise, Infomaterial, Veröffentlichungen und vielfältige Veranstaltungen.

Unsere homepage gibt alle wichtigen Auskünfte unter www. fu-niedersachsen.de.

P.S. Bezahlbare Energie für Unternehmen und Familien ist für uns eines der brennenden Zukunftsthemen. Deshalb werden wir uns damit bei unserem kommenden Landesdelegiertentag intensiv auseinandersetzen.

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